Slow und gloomy Valentines Day
oder wie wir einfach einen normalen Tag hatten und es plötzlich romantisch war
Valentinstag ist jedes Jahr wie ein übermotivierter Hochzeitsplaner, der plötzlich in dein Wohnzimmer spaziert und verlangt, dass heute alles romantisch sein muss. Blumenläden sehen aus wie explodierte Zuckerwattefabriken, Restaurants tun so, als wäre Kerzenlicht eine Persönlichkeitsstörung, und irgendwo im Internet erklärt dir jemand, dass du dringend einen perfekten Abend brauchst, sonst hast du Liebe falsch verstanden.
Man scrollt durch Herzchen, Dinner Sets und Couples Fotos und denkt sich gleichzeitig, dass man eigentlich nur in Ruhe seinen Kaffee trinken möchte, während der Hund Leute vom Fenster aus bewertet.
Und trotzdem erwischt man sich dabei, kurz zu überlegen, ob man vielleicht doch irgendwas Besonderes machen sollte. Nicht weil man es wirklich will, sondern weil der Tag so laut behauptet, dass er wichtig ist.
Ich habe lange gedacht, Valentinstag wäre entweder cringe oder ein großes Ereignis. Mittlerweile glaube ich, er ist einfach ein normaler Tag mit sehr guter PR. Und genau deswegen fühlt es sich fast ein bisschen rebellisch an, ihn langsam zu leben.
Ohne Glitzer. Ohne Plan. Mehr grauer Himmel als rotes Herz. Und irgendwie war das die entspannteste Entscheidung überhaupt.
Ich glaube, Valentinstag funktioniert am besten, wenn man aufhört, ihn zu ernst zu nehmen. Nicht anti sein. Nicht extra romantisch sein. Einfach leben.
Dieses Jahr war nichts geplant. Kein großes Dinner aus dem Internet, kein Druck, dass irgendwas besonders aussehen muss. Und genau deshalb war es wahrscheinlich einer der entspanntesten Valentinstage, die ich hatte.
7:00 Uhr: Kaffee und Leute gucken
Merlin schläft. Fritzi und ich sind wach. Natürlich. Fritzi steht am Fenster wie ein kleiner pensionierter Detektiv und überwacht die Straße, als würde ihm jemand ein Gehalt dafür zahlen. Ich mache Kaffee und bin noch halb im Schlaf. Die Wohnung ist ruhig. Kein Valentinsgefühl, kein Kitsch, nur dieser ganz normale Morgen, der sich irgendwie weich anfühlt. Früher hätte ich gedacht, dass das langweilig ist. Heute weiß ich, dass genau diese ruhigen Momente das sind, die bleiben.
11:00 Uhr: Wienerwald statt Rosen
Irgendwann wacht Merlin auf und wir fahren raus. Wienerwald im Februar ist nicht hübsch hübsch. Mehr so grau, ehrlich, ein bisschen kalt. Ich mag das. Fritzi rennt, als wäre das sein persönlicher Feiertag. Merlin läuft neben mir, wir reden über alles und nichts. Keine großen Gespräche über Liebe. Einfach Schritte nebeneinander.
Und plötzlich merkt man, dass Nähe manchmal genau das ist. Kein großes Gefühl, sondern ein ruhiges Nebeneinander.
16:00 Uhr: Apartment Reset
Zurück zuhause sehe ich den Esstisch und denke kurz darüber nach, einfach auszuziehen. Wie schafft man es eigentlich, dass sich Dinge so schnell stapeln. Also Musik an, Sachen weg, Blumen gerade rücken. Dieser Moment, wenn der Raum wieder ruhig aussieht, macht mehr mit mir als jede Morgenroutine aus dem Internet. Es fühlt sich nicht nach Putzen an. Mehr nach Durchatmen.
17:00 Uhr: Alltagssachen machen
Dusche. Frischer Pyjama. Haare noch ein bisschen nass. Ich setze mich hin und merke, wie langsam alles wird. Valentinstag ist plötzlich nicht mehr dieser große Tag, sondern einfach ein Abend. Und irgendwie reicht das.
17:30 Uhr: Lesen ohne Zweck
Ich lese gerade wieder mehr Geschichten, die mir nichts beibringen. Keine Selbstoptimierung, keine Liste mit fünf Dingen, die ich besser machen könnte. Einfach lesen. Fritzi liegt neben mir und schläft. Merlin klappert im Badezimmer mit allerlei Dingen herum. Und ich denke mir, dass ich lange geglaubt habe, Romantik müsse aufregend sein. Dabei ist sie oft nur ruhig.
18:00 Uhr: Kochen mit Merlin
Wir stehen in der Küche und machen Abendessen. Es ist kein perfektes Dinner. Eher ein bisschen Chaos, ein bisschen Lachen und Fritzi, der sehr überzeugt davon ist, dass alles ihm gehört. Ich schaue Merlin an und denke kurz, dass genau das wahrscheinlich unser Ding ist. Nicht groß. Nicht laut. Einfach zusammen sein, ohne dass jemand versucht, besonders romantisch zu wirken.
Und vielleicht ist genau das genug
Slow und gloomy klingt erstmal traurig. War es aber nicht. Es war eher leise. Ehrlich. Ein bisschen grau, aber auf eine gute Art. Ich glaube, man darf Valentinstag auch einfach normal leben. Ohne Beweis, ohne Erwartung. Ohne dieses Gefühl, dass alles größer sein muss, als es ist.
Kaffee um sieben. Wienerwald um elf. Ein aufgeräumter Tisch um vier. Kochen um sechs. Nicht perfekt. Aber echt!