Ich war den ganzen Tag beschäftigt und hab trotzdem nichts geschafft 


Es gibt diese Tage, da fühlt sich mein Kalender an wie die Gästeliste einer Fashion Week (oder ähnlich aufwändigem Event). Voll, laut, wichtig. Und am Ende sitze ich da wie nach einer Party, auf der ich niemanden kenne: nämlich müde, leicht zerknittert und mit der brennenden Frage in mir, ob ich überhaupt anwesend war. 

Ich wache auf und bin motiviert. Also in dieser realistischen Form von Motivation, in der man nicht plötzlich sein Leben revolutioniert, sondern einfach hofft, heute ein bisschen mehr Ordnung hinzukriegen als gestern. Ein bisschen mehr ich. Ein bisschen weniger Chaos in Menschengestalt. 

Und dann passiert es. Nicht das große Drama, das wenigstens Stoff für Gespräche liefert. Sondern dieses kleinteilige Alltagstheater, bei dem man am Ende nicht mal weiß, wofür man eigentlich applaudiert hat. 

Nachrichten verschiedenster Sozialen Medien ploppen aufmeinem Display. Und das in einer Zahl, die sich nicht mal mehr auf zwei Händen darstellen lässt! Kurze Calls werden zu kleinen Epen. Jemand fragt „Hast du kurz Zeit?“ und mein Gehirn sagt reflexartig ja, obwohl ich innerlich schon auf Flugmodus stelle. Ein schneller Kaffee wird zu einer Pause, die sich wie Selbstfürsorge anfühlt, aber in Wahrheit nur eine elegante Form von Verdrängung ist. Dann das Handy. Dann noch mal das Handy. Dann wieder irgendwas beantworten, wieder irgendwas anfangen, wieder irgendwo hängen bleiben. 

Und plötzlich ist es Nachmittag. Ich war heute beschäftigt, wirklich. Nur war ich die ganze Zeit nicht bei mir. Ich war mehr so die Pressesprecherin meines eigenen Tages. 

Der Tag, der sich selbst auffrisst 

Das Gemeine an solchen Tagen ist nicht, dass nichts passiert. Im Gegenteil: Es passiert pausenlos etwas. Nur nichts, das sich nach Fortschritt anfühlt. Ich erledige Dinge, aber ich schließe nichts ab. Ich bin aktiv, aber eher im Sinne von Quantität über Qualität.

Und je später es wird, desto mehr setzt sich dieses Gefühl neben mich aufs Sofa. Unangenehm höflich, aber auch sehr konsequent. Es schaut mich an und fragt: War das jetzt wirklich mein ganzer Tag... für das?
 

Ich kenne diese Art von Tagen. Sie wirken von außen völlig okay. Man trinkt Kaffee, man antwortet schnell, man bewegt sich durch Räume, als hätte man einen Plan. Man könnte sogar ein Foto machen und es mit „busy day“ betiteln. Aber niemand postet den Teil, in dem man merkt, dass man den ganzen Tag beschäftigt war und trotzdem keinen Zentimeter weitergekommen ist. Kein sichtbarer Fortschritt. Nur ein paar offene Tabs im Kopf, die alle gleichzeitig Musik abspielen. 

Die Müdigkeit mit High Heels an 

Am Abend bin ich nicht komplett erschöpft. Aber ich bin auch nicht erfüllt. Es ist diese spezielle Müdigkeit, die nicht nach "Ich hab viel geschafft“ aussieht, sondern nach "Ich habe mich heute irgendwo zwischen Erwartungen, Reaktionen und kleinen Unterbrechungen verloren“.
 
Ich scrolle. Ich überlege kurz, ob ich jetzt noch etwas Produktives machen sollte, so als würde ich den Tag mit einem letzten, glamourösen Sprint retten. Ich mache es natürlich nicht. Ich sitze da, zwischen schlechtem Gewissen und einem Hauch Gleichgültigkeit, und lande bei dem einen Gedanken. Okay irgendwie war das nichts. 

Und trotzdem ist es unfair, mich dafür fertigzumachen. Ich war nicht faul. Ich habe nicht den ganzen Tag im Bett gelegen und auf ein Zeichen des Universums gewartet. Ich habe funktioniert. Nur nicht in der Version, die ich morgens im Kopf hatte. Nicht die, die Pilates macht, Meal Prep vorbereitet und nebenbei ihr Leben sortiert. Sondern die Version, die auf alles reagiert, was von außen kommt, und sich selbst dabei wie einen Termin verschiebt, den man  (ganz sicher) später oder morgen macht. 

Und dann gibt es auch keine große Erkenntnis. Kein dramatisches: Ab morgen wird alles anders!
Manchmal ist die einzige halbwegs elegante Lösung: Licht aus. Handy auf Nicht stören. Decke hochziehen. Den Tag ohne Nachbesprechung beenden. 

Und ich frage mich, während ich versuche, den Kopf auszuschalten: Vielleicht ist das die eigentliche Wahrheit. Dass manche Tage nicht dafür da sind, um etwas zu schaffen. Sondern nur dafür, dass man sie überlebt, ohne sich selbst komplett zu verlieren. 

Oder wie würde man es sonst nennen, wenn man den ganzen Tag gerannt ist und am Ende trotzdem am selben Punkt steht? 

Vielleicht ja einfach nur Dienstag.