Der Glow-up-Mythos: Wenn der April den März nur neu beleuchtet
Ich saß neulich da, eingewickelt in meine Decke wie ein Häufchen Elend mit einem Laptop, der mich vorwurfsvoll anleuchtete.
Während mein Kopf irgendwo zwischen der letzten schlechten Entscheidung und der nächsten großen Vision feststeckte, fragte ich mich, wie oft man sich eigentlich vornehmen kann, sein Leben zu ändern, ohne dass das Universum genervt die Augen verdreht.
Nicht dramatisch, nicht filmreif und nicht einmal mit einem großen Knall, sondern einfach nur besser.
Ich hatte immer diese Version von mir im Kopf, diese Frau, die ihr Leben im Griff hat, als wäre es eine perfekt sitzende Birkin Bag.
Sie steht vor dem ersten Sonnenstrahl auf, hat eine Routine, die so reibungslos abläuft wie das Wiener Uhrwerk, trinkt irgendetwas furchtbar Grünes und trifft konstant Entscheidungen, auf die man stolz sein könnte.
Ich hingegen liege da und führe existenzielle Debatten mit meinem Wecker darüber, ob fünf Minuten mehr Schlaf wirklich mein gesamtes Leben ruinieren würden oder ob die Katastrophe ohnehin schon längst im Gange ist.
Ich konnte nicht umhin, mich zu fragen: Fühle ich mich wirklich gut oder bin ich nur eine Expertin darin geworden, mein Unbehagen hinter einer glänzenden Fassade aus Produktivität zu verstecken?
Es ist schwer zu erklären. Ich bin nicht unglücklich, aber ich bin auch alles andere als erfüllt. Ich erledige Sachen, ich funktioniere und ich habe sogar Phasen, in denen ich so effizient bin, dass es fast beängstigend wirkt.
Und trotzdem bleibt da dieses schale Gefühl, dass ich mich irgendwo zwischen den Terminen und dem täglichen Wiener Einerlei verloren habe.
Es fühlt sich an, als würde ich mein eigenes Leben nur beobachten, statt mittendrin zu stehen, wie eine Statistin in meinem eigenen Film, die plötzlich ihren Text vergessen hat.
Der Mythos vom perfekten Neustart
Der April kommt jedes Jahr wie ein großes Versprechen daher. Neuer Monat, neue Energie, neues Ich.
Zumindest in der Theorie.
In der Realität ist der April in Wien oft nur ein März mit etwas besserem Licht und der gleichen alten Last im Gepäck.
Die Muster sitzen noch immer mit am Kaffeetisch, die Ausreden klingen noch immer erschreckend logisch und die alten Dämonen haben sich lediglich ein frisches Hemd angezogen.
Vielleicht gibt es diesen einen, sauberen Neustart gar nicht. Vielleicht ist mein Glow-up dieses Mal leiser.
Früher dachte ich, es müsse sofort sichtbar sein, durch bessere Haut, mehr Sport oder weniger Chaos in der Wohnung.
Aber gerade fühlt es sich so an, als begänne die wahre Transformation ganz woanders. In den Sekunden, in denen ich kurz innehalte, statt mich sofort mit dem Handy zu betäuben, oder in den Momenten, in denen ich mich gegen das alte Muster entscheide, auch wenn es unbequem ist. Es ist nicht spektakulär, aber es ist verdammt echt.
Keine Strategie, nur ein Versuch
Ich habe keine große Strategie mehr, keine Liste, die mich schon beim Lesen unter Druck setzt, und keinen Plan, der so perfekt aussieht, dass er nach drei Tagen zum Scheitern verurteilt ist.
Ich will mich wieder bewegen, nicht für die Optik, sondern weil mein Körper sich danach weniger wie ein Fremdkörper anfühlt. Ich will bewusster essen und wieder schreiben, weil ich merke, dass ich ohne meine Worte im Wiener Nebel verschwinde.
Ich habe lange geglaubt, mir fehle es an Disziplin und ich sei einfach nicht konsequent genug. Aber wenn ich ehrlich bin, weiß ich ganz genau, was mir gut tut. Ich mache es nur nicht. Vielleicht liegt das nicht an mangelnder Stärke, sondern daran, dass ich mich selbst schlichtweg nicht ernst genug nehme.
Was ist, wenn ich wieder scheitere?
Diese Frage ist mein ständiger Begleiter, so verlässlich wie der Ober im Kaffeehaus, der einen gekonnt ignoriert.
Aber vielleicht ist das Scheitern gar nicht der Punkt. Vielleicht ist der eigentliche Glow-up die Fähigkeit, immer wieder zurückzukommen, ganz ohne Drama, ohne Selbsthass und einfach weiter.
Der April ist kein Neustart, er ist ein Versuch. Ein Versuch, mich selbst wieder ein bisschen mehr zu spüren und mich nicht ständig zu übergehen. Während ich da saß, mit meinem mittlerweile kalten Kaffee und einer To-do-Liste, die ich erfolgreich ignoriert habe, kam mir ein Gedanke:
Vielleicht ist ein Glow-up gar keine Transformation. Vielleicht ist es einfach die Entscheidung, sich selbst nicht mehr egal zu sein. Und für den Anfang in dieser Stadt reicht das vollkommen aus.